Was ist «digitale Jugendarbeit»? Natürlich sind sich alle eigentlich einig, dass der Begriff verkürzt ist, aber er wird dennoch mehr und mehr diskutiert. Und so hat auch eine Expert_innengruppe der EU den Begriff (bzw. «Digital youth work») als Bezugspunkt genommen, um sich mit mediatisierter Jugendarbeit (wie ich es nennen würde) zu beschäftigen.

Als ein Ergebnis aus der Arbeit der Gruppe ist jüngst ein Bericht veröffentlicht worden, in dem verschiedene Arbeitsdefinitionen und vor allem konkrete Ansatzpunkte und Praxisbeispiele für mediatisierte Jugendarbeit benannt und beschrieben werden. Und das macht aus meiner Sicht den Bericht (der kostenlos online verfügbar ist) zu einer wirklich lesens- und bedenkenswerten Quelle, wenn es darum geht, Medien in die jugendarbeiterische Praxis zu integrieren.

Eine Arbeitsdefinition

Die Arbeitsgruppe sieht «Digital youth work» als eine Arbeitsweise an, in der digitale Medien «proaktiv» in Jugendarbeit eingebunden werden und die sowohl face2face als auch online stattfinden kann. Sie soll keine eigene Methode sein, sondern Digital youth work soll die gleichen Ziele haben wie Jugendarbeit und diese unterstützen. Zudem soll sie den gleichen Standards und Prinzipien unterliegen wie Jugendarbeit ohnehin.

Das entspricht auch weitgehend meiner Sichtweise, dass mediatisierte Jugendarbeit eine Weiterentwicklung der verschiedenen Formen von Jugendarbeit sein soll und digitale Jugendkultur und Medien eine Querschnittsrolle spielen sollen, die die eigentlichen Ziele und Methoden von Jugendarbeit unterstützt.

Wie dahinkommen? Was tun?

Wie in jeder einschlägigen Publikation, die einen politischen Anspruch hat, werden Kompetenzen beschrieben, die es zu entwickeln gilt. Hierüber kann mensch geteilter Meinung sein, spannend ist aber der nächste Schritt: In der Publikation werden nämlich zahlreiche vorhandene Materialien (als Weblinks) aus den verschiedenen Staaten gesammelt – und das ist wirklich eine wertvolle Zusammenstellung für eine entsprechende konzeptionelle und weiterbildungsorientierte Weiterarbeit. (Ganz besonders schön: Das Medienpädagogik Praxisblog ist auch dabei! \o/)

Noch hilfreicher finde ich eine abschliessende Zusammenstellung von Praxisbeispielen aus verschiedenen Arbeitsbereichen. So gibt es z.B. in Finnland einen Hackathon für technische Löungen für die Jugendarbeit.

Fazit

Für mich ist «Developing digital youth work» ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über die Weiterentwicklung von (mediatisierter) Jugendarbeit. Besonders unterstützenswert finde ich das grundlegende Verständis, das sichtbar wird – nämlich dass es dabei um eine grundsätzliche Weiterentwicklung von Jugendarbeit geht. Die Zusammenstellung von bestehenden Ansätzen und Materialien ist sehr wertvoll für die weitere Arbeit.

Die genannte Arbeitsdefinition ist ein wichtiger Zwischenschritt. Genau hier sind aus meiner Sicht in Zukunft aber noch einige Diskussionen wichtig – über das grundlegende (konzeptionelle) Verständnis von mediatisierter Jugendarbeit. Denn ansonsten pendelt diese zwischen coolen Jugendarbeitsprojekten mit Medien und purer Medienpädagogik. Und da hat Jugendarbeit mehr zu bieten. :)

// Artikelfoto: Ausschnitt aus der Broschüre; © Expert group on digitalisation and youth